Thomas Kohl

 

Die aquarellhaft fließende Farbe ist ein grundlegendes Verfahren in Thomas Kohls Malerei.

Ölgemälde sind in fließenden Farbschichten und sich überlagernden Farbschichten aufgebaut. Scheinbar flüchtige Wasserfarbenblätter sind hingegen genau komponierte und erst allmählich, Schicht um Schicht, gewachsene Bilder. Das transparente Verfahren, das kaum eine Korrektur erlaubt, ist unabhängig vom Medium – Tafelbild oder kleine Arbeit auf Papier – eine Grundlage der Bilder „Wasserfarben“ bezeichnet bei Kohl als keine Technik des Farbauftrags und keine Bindemittel, sondern ein durchgängiges Verfahren.

Angeregt durch einen öffentlichen Auftrag bot die im Aquarell gesammelte Erfahrung sogar die Grundlage für die Auseinandersetzung mit einem neuen Medium. Der Künstler übertrug die in der Natur gefundenen Bildideen in die Glasmalerei. So verwendete er in einer Folge von 24 Bildern die Struktur einer im Tessin gezeichneten Bleistiftskizze, die als Siebdruck auf Glasscheiben übertragen wurde, als Grundlage.

Auf diese graphische Struktur trug er farbige Pinselmalereien auf, die von einem Aufenthalt in Scuol im „lichtreichen“ Engadin – wie der Maler selbst diese Gegend charakterisiert – angeregt wurden. Im Brennprozess verbanden sich Glas, Siebdruck und Malerei bei 600 Grad Celsius zu einer Einheit. Das Bild entsteht erst dadurch, dass für die Präsentation der Scheiben umgedreht vor der weißen Wand montiert werden. Der Betrachter blickt durch die Glasscheibe auf den Siebdruck und die dahinter liegende Malerei, die Abfolge des Sehens dreht wie in der Hinterglasmalerei die Abfolge der Entstehungsschritte um. Glas und Räumlichkeit der Präsentation mit dem durchfallenden Licht geben der Farbe eine eigene Tiefe und der Malerei eine bis dahin nicht erreichte Plastizität, obwohl sie nur aus einer hauchdünnen Schicht besteht. Das flüssige Farbereignis wird in endgültige Form im Glas festgebrannt und zugleich bewahrt sich die Dynamik des Auftrags.