Edgar Diehl, Ivo Ringe, Thomas Weil

Es geht nicht um Gelb ...

23. April - 11. Juli 2015  

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Edgar Diehl, Ivo Ringe, Thomas Weil

Es geht nicht um Gelb ...


 

23. April - 11. Juli 2015

 

Wie der Ausstellungstitel schon andeutet, beschäftigen sich alle drei Künstler namentlich
Edgar Diehl (Wiesbaden), Ivo Ringe (Köln), Thomas Weil (München)thematisch mit der Interaktion zwischen Farbe, Form und geometrischer Struktur, den Basiselementen der sog. Konkreten Kunst.

Sehr viel mehr ist ihnen nicht gemein, verfolgen sie seit vielen Jahren eine jeweils eigene, klar wiedererkennbare Bildsprache, die einer Kategorisierung nicht mehr bedarf. Ohne, dass die Arbeiten in irgendeiner Form in Konkurrenz treten, sich gegenseitig heben oder stützen müssten, entsteht ein offener Dialog zwischen diesen eigenwilligen Positionen, die sich jeweils auf das ihnen Wesentliche konzentrieren. 

So eröffnen sie einzeln betrachtet sowie im Zusammenspiel eine sehr reiche Palette von Wirkungsweisen und werfen darüber hinaus viele interessante Fragen auf.

Bei Edgar Diehl aus Wiesbaden ist diese Zuordnung eindeutig. Seit den 80iger Jahren arbeitet er sowohl theoretisch als auch praktisch am Thema Farbe. Die 2. Auflage seines Kompendiums über Farbe ist gerade erschienen. Auf der Grundlage seiner Farbforschung hat er eine eigene Form von Farbreliefs entwickelt. Dabei stellt er Bildträger aus Aluminiumplatten her, die meist symmetrisch gefaltet oder geknickt werden. Die ganz unterschiedlichen Farbkompositionen, werden in Streifen aufgebracht, entweder in zwei gleich breite alternierende oder in anderen Werkgruppen in unterschiedlich breite senkrechte Streifen. So entstehen Wandskulpturen, die dem Betrachter nicht mehr einen zentral perspektivischen „richtigen“ Blickwinkel zuweist, sondern umgekehrt, sie fordert die Bewegung vor dem Gemälde. Durch die Knickungen und Faltungen und durch die Bewegung des Betrachters ändert sich je nachdem der Winkel des Lichteinfalls und die Farben verändern sich durch diesen Prozess dermaßen, dass man sogar von einer optischen Täuschung sprechen kann.

Der Kölner Ivo Ringe ist Maler, trotzdem dass er Beuys Schüler war. Obwohl er sich jahrzehntelang eingehend mit dem Verhältnis von Proportion und Rhythmus beschäftigt hat, steht bei ihm aber nicht eine exakte Berechnung von Formen im Vordergrund. Der Augenblick und seine Intuition sind bei seinem Malvorgang entscheidend, die ein Resultat aus seinen theoretischen Studien und alles andere als willkürlich sind. Ivo Ringe hat keine Vorlagen oder Skizzen oder Fotografien oder andere Vorarbeiten, er ist aber auch kein Konzeptkünstler. Seine Bilder werden an der Leinwand während des Malakts entwickelt. Er ist aber auch keineswegs ein gestischer Maler, sondern hat sich radikal der Reduktion verschrieben, auf das Wesentliche, Essentielle. So wirken seine Gitter oder Netze, die er auf einen meistens monochromen Hintergrund aufbringt, rudimentär, fast karg. Durch das Überlagern der Formen und Farben entsteht in jedem Bild ein dreidimensionaler Raum mit einer ganz eigenartigen Dynamik und Tiefe. Trotzdem wirft die Malerei von Ivo Ringe den Betrachter ganz deutlich auf sich selbst zurück, auf seine ursprüngliche Wahrnehmung. Losgelöst von einer gegenstandsbezogenen Darstellung verweisen die Bilder lediglich auf sich selbst. Ivo Ringe ist auch Dozent an der Universität Bonn und weiteren Hochschulen in NRW sowie Kurator von internationalen Ausstellungen, neben Deutschland vorwiegend im angelsächsischen Raum.

Thomas Weil hat wie Edgar Diehl zunächst Architektur studiert, allerdings in München. Er hat dort jahrelang als Architekt gearbeitet und international gebaut. Früher gleichzeitig, seit 20 Jahren ausschließlich, arbeitet er am Thema Ornament und lehrt und publiziert darüber. In seiner klassischen Ölmalerei, die neben der Bildhauerei und der Kunst am Bau-Arbeit passiert, nähert er sich auf eine ganz eigene Art und Weise den Themen Farbe und Konstruktion an. Seit Jahrzehnten hat er einen riesigen Formenschatz von ornamentalen Elementen aus dem Weltkulturerbe geschaffen und eine eigene Systematik erstellt. Aus diesem Formenschatz schafft er seine eigenen Vorlagen für seine Bilder. Die Elemente werden zu einem Bildganzen komponiert, zunächst wiederum als Vorlage, die dann auf eine Leinwand übertragen wird. Der Bildträger wird geschaffen durch eine informelle Malweise. Darauf werden dann die Vorlagen übertragen und eine Farbkomposition gesucht. Die Farbe hat hier eine dienende Rolle als Interpretin der Formkompositionen. Die Bilder werden nicht seriell gemalt, sondern jedes Bild hat sein eigenes Universum von ornamentalen Formen und Farben. Thomas Weil malt in keinem sofort wieder erkennbaren Stil, sondern überrascht immer aufs Neue mit unterschiedlichen Interpretationen des Themas Ornament.

 

Ivo Ringe, Köln

1951 geboren in Bonn 1972 Studium der Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf bei Joseph Beuys, 1974-77 Studium Freie Grafik bei Rolf Sackenheim an der Kunstakademie Düsseldorf, Meisterschüler, seit 2000 Dozent für Farbtheorie, Grundlagen der Farbe und Malerei, Illustrationstechniken, Freies Zeichnen an der Akademie für Gestaltung „Ecosign“ in Köln und der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität, Bonn, Studio für Bildende Kunst

 

Edgar Diehl, Wiesbaden

1950 geboren in Sprendlingen 1970-72 Studium der Architektur, TU Berlin, 1972-78 Studium der Malerei, Wandmalerei und Kunsttheorie Städelschule, Staatliche Hochschule für bildende Künste, Frankfurt bei Raimer Jochims, Meisterschüler, seit 1980 Forschung auf dem Gebiet der Farbe als eigenständiges Thema der künstlerischen Arbeit, Vorträge und Publikationen

 

Thomas Weil, Friedberg

1944 geboren in Partenkirchen (Münchner Haus war ausgebombt), 1964 -1970 Studium der Architektur an der TU München, seit 1986 Spezialisierung auf das Thema Ornament in Architektur, Kunst und Design, 1996 Gründung des Ateliers „ornamentconcepts“, seit 2007 Dozent an der Akademie für Gestaltung und Design, München

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